Falkschule / Frankfurt a. M.

Beim Kicken ist Köpfchen gefragt

Falkschüler räumen in witzigen und ironischen Kurzfilmen mit gängigen Vorurteilen über den Frauenfußball auf Kurz vor dem WM-Start hat sich die 10 b der Falkschule im Galluszentrum dem Thema Frauenfußball gewidmet.

Dieser Beitrag ist abgelaufen: 10. August 2011 00:00

"Statt Fußball zu spielen, sollen Frauen lieber zu Hause bleiben und ihre Kinder hüten." Kaum haben Brua (17) und seine Kumpels das ausgesprochen, hagelt es auch schon eine gehörige Klatsche. Was Brua (17), Ahmed (17) und Caner (17) als witziges Werbeclip "Toleranz" inszenierten, haben Georgina (16) und ihre Freundinnen in ihrer spannenden Reportage "Frau gut - Alles gut" eingefangen und dabei Straßeninterviews geschickt mit selbstironischen Effekten und Spielszenen kombiniert.
Quelle: FNP

Sandra Smisek interviewt

Mit den Filmen (zu sehen unter http://youtube.com/user/gallusvideo) buhlten die Gruppen um die Gunst des Publikums. Sieben Kurzfilme hat die Klasse 10 b zum Thema Frauenfußball gedreht, vom wenige Sekunden kurzen Spot gegen Klischees bis zum ausführlicheren Interview mit FFC-Spielerin Sandra Smisek. Für eine Überraschung bei der Premiere sorgte Fußballpionierin Heidi Herbst, die einst im Team der Franken 66 kickte und für die Reportage von Georgina historisches Filmmaterial mit Gymnastik zur Verfügung stellte: "Diese adretten Turnübungen mussten wir in den 1960er Jahren vor jedem Spiel machen", erinnerte sie sich.

Denn die Vorstellung einer kräftigen und muskulösen Fußballerin wollten nicht zum gängigen Frauenbild passen - zumindest damals nicht. Vier Jahrzehnte später sind die unterschiedlichen Rollen auf dem Spielfeld offenbar verschwunden. So zeigt der Werbeclip "Fußball bleibt Fußball" die Akteure der 10 b mit Gesichtsmasken über den Fußballplatz rennen. Wer ist hier Mädchen, und wer Junge? Für den Außenstehenden ist das jedenfalls nicht zu erkennen. Dazu erklingt der gängige Slogan: "Der Unterschied ist in deinem Kopf."

Nur fünf Tage Zeit hatten die Falkschüler, um ihre Ideen im Galluszentrum medial umzusetzen. Ihre thematischen Schwerpunkte, die sie in der Vorbereitung erarbeitet hatten, realisierten sie mit Hilfe der dortigen Medienpädagogen. Und fanden dabei ihren ganz unterschiedlichen Zugang zum Film: "Mädchen zeigten bei der Vorbereitung und Auswahl der Interviews großes Engagement, Jungen ließen sich vor allem für die Schneidetechnik begeistern", stellte Jana Schlegel fest. Die Kunstpädagogin half bei der Umsetzung von Spezialeffekten, bei denen etwa tanzende Frauen in Schubladen gesteckt werden. Auch die Backpfeife gegen die Fußballmachos entpuppte sich freilich als Trick: "Ich habe das mit der Hand nur angedeutet. Hinterher haben wir geklatscht und den Rhythmus in den Filmbeitrag eingespielt", erklärte Aulona (17)

Am Ende hatte der Beitrag "Frau gut - Alles gut" beim Publikum die Nase vorne. Für die 10 b, die die Falkschule in diesen Tagen verlassen wird, war das Filmprojekt mehr als ein letztes gemeinsames Erlebnis. "Wir haben viel gelernt. Ich kann mir gut vorstellen, mich später beruflich weiter mit Film und Schauspiel zu beschäftigen", resümierte Georgina (16).

 

Vergleiche sind schwierig

Die Schüler lernten aber auch, dass objektive Vergleiche zwischen Männer- und Frauenleistungen oft schwierig sind. So erklärte Smisek, ein Frauenfußballspiel sei nur schwer mit den Standards des Männerfußballs zu messen und zu bewerten. Trotzdem, so die einhellige Erkenntnis, darf dieser Umstand kein Nährboden für oberflächliche und falsche Vorurteile im Frauensport sein. Daher ertönt in Bruas Werbeclip am Ende die eindeutige Botschaft: "Toleranz….sonst Backenfutter!"got (got)

 

Artikel vom 17. Juni 2011, 03.21 Uhr (letzte Änderung 17. Juni 2011, 05.01 Uhr)

| 17.6.2011